Im Februar 2022 haben wir endlich ein längeres Projekt erfolgreich abschließen können: unser Jülicher Campus hat seinen ersten PV Gehweg! Der Weg dorthin war steinig. Aber nun der Reihe nach:

Die ursprüngliche Idee hörte sich vielversprechend an: Ein solarer Gehweg auf der westlichen Seite um den See zum Casino. Dies erweckt spannende Forschungsfragen. Doch schnell wurde klar, dass dies zu teuer und die Technik bisher noch nicht ausgereift ist. Vielleicht hat der ein oder andere die „Erfolgs“-geschichte des Photovoltaik (PV) Radwegs in Erftstadt in der Presse und Fernsehen mitverfolgt. Von der medialen Einweihungs-Inszenierung bis hin zur Notabschaltung vergingen nur wenige Wochen. Da es auch so gut wie keine Daten von PV Gehwegen gibt, haben wir uns dazu entschieden, es bei einer wissenschaftlichen Studie zu belassen und nur eine kleine Teststecke an nicht prominenter Stelle zu errichten.

Auf dem kleinen Verbindungsgehwegstück zwischen dem Büroneubau 2.6 und dem PGI Reinraum (Höhe Transformatorgebäude 2.8) gibt es nun seit Februar ein kleines Stück PV Gehweg der Firma SOLMOVE GmbH aus Brandenburg. Der Gehweg besteht aus acht PV Paneelen, jede Einzelne hat eine Dimension von 60 x 60 cm². Die Gesamtlänge des PV Gehwegs beträgt 2,40 m bei einer Breite von 1,2 m. Klein, aber für wissenschaftliche Untersuchungen ausreichend.

Abb.: Foto des PV Gehwegs auf dem Jülicher Campus

Der Einbau verlief nicht ganz komplikationslos: So stellte sich ein zunächst entwickelter Klickrahmen zum vereinfachten Wechsel der PV Paneele als unbrauchbar heraus, weswegen der Gehweg zunächst leider nicht freigegeben werden konnte und in Folge einige Zeit gesperrt blieb. Zusammen mit den Kolleg:innen vom Lehrstuhl für Straßenwesen der RWTH Aachen (ISAC) sowie Kolleg:innen der niederländischen Firma SolaRoad  BV wurde ein neues Konzept für die Einbringung der PV Gehwegpaneele in den Boden erarbeitet und ein erfolgreicher Klebetest durchgeführt. Anfang 2022 war es dann soweit: Der Untergrund des PV Gehwegs wurde angepasst und wir haben die Gehwegpaneele mit Spezial Bitumenkleber auf 60×60 cm² Steinplatten aufgeklebt, verlegt und anschließend das Messsystem an die Module angeschlossen. Nach einer erneuten Sicherheitsüberprüfung konnte der Gehweg zur Nutzung endlich freigegeben werden. (An dieser Stelle wollen wir alle von der Sperrung betroffenen Kolleg:innen unser Bedauern dafür ausdrücken! Wir hätten es auch lieber anders gehabt…)

Jedes der acht Paneele hat eine Ausgangsleistung von 42W und ist mit einem speziellen Datenerfassungssystem zur periodischen Messung elektrischer Kennlinien verbunden. Zusätzlich werden Umgebungstemperatur, Windgeschwindigkeit und Einstrahlung über einen Einstrahlungssensor aufgezeichnet. In den kommenden Monaten werden wir aus den Daten die Degradation der Paneele über einen längeren Zeitraum analysieren und natürlich auch die Auswirkungen von Verschattungen und Verschmutzung auf die Performance untersuchen. 

Dieser Teststand wurde gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

About Andreas Gerber

Andreas Gerber ist promovierter Physiker und arbeitet seit 2009 im Institut für Energie und Klimaforschung, IEK5-Photovoltaik. Seine Hauptinteressen liegen in der Charakterisierung von Solarmodulen und der Untersuchung der Zuverlässigkeit/Langlebigkeit von Solarmodulen. Im LLEC ist er der Teammanager für den Bereich „Photovoltaik“.

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