Die in Landwirtschaft und Gartenbau genutzten Pflanzen sind auf einen hohen Ertrag gezüchtet. Oft ist dabei weniger auf eine Stresstoleranz geachtet worden, die in vielen geführten Anbausystemen (Gewächshaus, bewässerte und bewirtschafte Felder) nicht vorrangig war. Im anstehenden Klimawandel werden aber Stresstoleranzen z. B. gegen Hitze und Trockenheit in der Landwirtschaft und im Gartenbau immer wichtiger. Wild wachsende Sorten oder Ursprungssorten der heutigen Nutzpflanzen, weisen oft höhere Stresstoleranzen als die aktuellen Nutzpflanzen auf. In solchen wilden oder alten Sorten liegt oft eine höhere genetische Vielfalt vor, die genutzt werden kann, um z.B. Stresstoleranzen oder auch eine größere Vielfalt oder Menge an z.B. gesundheitsfördernden Pflanzeninhaltsstoffe zu finden. Oft können die Erkenntnisse dann auf derzeit genutzte Pflanzensorten übertragen werden. Die Erforschung solcher Wildsorten stellt somit eine wichtige Grundlage für eine Züchtung von verbesserten Nutzpflanzen dar.

Zwei aktuelle internationale Forschungsprojekte am IBG-4 beschäftigen sich mit dieser Fragestellung. Dabei wird die genetische Information der Vorfahren mit denen der heutigen Nutzpflanzen verglichen und Sequenzinformationen in Zusammenhang mit bekannten Funktionen und/oder besonderen Eigenschaften oder Standortbedingungen der Linien gebracht. So können den Genen oder Abschnitten der genetischen Sequenzen Funktionen zugeordnet werden, die helfen, Nutzpflanzen züchterisch zu verbessern. Hier hatte das IBG-4 bereits vor einiger Zeit die wilde Tomate Solanum pennellii erforscht (https://www.nature.com/articles/ng.3046 und http://www.plantcell.org/content/29/10/2336) und gezeigt, dass dort Transposons oder „springende Gene“ eine Rolle bei der Stresstoleranz spielen. Derzeit arbeitet das IBG-4 in einem internationalen Konsortium an Solanum lycopersicoides (https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.04.16.039636v1.full).

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Eine bioökonomische Nutzung von Pflanzen und anderen Organismen zur Produktion von nachhaltigen Ressourcen wird durch die genetischen Grundlagen der Organismen beeinflusst. Die Erzeugung von Daten über Genome und auch von Daten zu der aktiven Ausprägung des Genoms (seiner „Expression“) ist deshalb wichtig, um die dahinterliegenden Prozesse zu verstehen und zu verbessern oder an den Bedarf der bioökonomischen Nutzung anzupassen wie z. B. in der Züchtung oder Auswahl von geeigneten Nutzpflanzen. Komplexe Daten, die bei Untersuchungen von Genomen und seiner Ausprägung entstehen, müssen in Datenbanken und durch Visualisierungen verwaltet, verknüpft und interpretierbar gemacht werden. Das alles leistet die Bioinformatik mit verschiedenen Techniken, Algorithmen und Programmen, am IBG-4 zum Beispiel in der Forschung zur Nutzung von Pflanzen zur Gewinnung speziellen industriell interessanten Pflanzeninhaltsstoffen in dem Projekt TaReCa.

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