Das Energiesystem des Forschungszentrums Jülich (FZJ) wird sich im Laufe des Projekts „Living Lab Energy Campus“ (LLEC) fundamental verändern. Wir sind davon überzeugt, dass die erfolgreiche Umgestaltung des Energiesystems maßgeblich von der Mitwirkung der Nutzerinnen und Nutzer abhängt. Deshalb ist die Nutzereinbindung ein zentrales Element des LLEC-Projekts, für das wir ein eigenes Projektteam „Engagement und Dissemination“ eingerichtet haben. Hier berichten wir über die Arbeit unseres Teams.

Bedeutung von Nutzereinbindung im LLEC

Das Energiesystem des Forschungszentrums Jülich (FZJ) wird sich im Laufe des Projekts „Living Lab Energy Campus“ (LLEC) fundamental verändern. In den nächsten Jahren soll hier ein stark vernetztes Energiesystem auf der Basis dezentraler und erneuerbarer Energiequellen entstehen. Hierfür werden verschiedene Energiedemonstratoren (z.B. Photovoltaik-Anlagen, Niedertemperaturnetz uvm.) installiert. Daneben steht im LLEC-Projekt die Arbeit an einem umfassenden System zur Steuerung und Regelung der Energieströme auf dem Campus im Vordergrund.

Mit seiner stark spezialisierten Infrastruktur und den unterschiedlichen Arten von Energieverbrauchern (Büros, Labore, Großrechner, Kantine) ist das Energiesystem des FZJ vergleichbar mit den komplexen Strukturen einer Kleinstadt oder eines Stadtquartiers. Wir hoffen, dass wir durch die Arbeit im LLEC-Projekt auch etwas für die Energiewende in anderen Anwendungsbereichen lernen und unsere Ergebnisse dann darauf übertragen können.

Das LLEC-Projekt hat aber nicht nur technische Komponenten – wie die Demonstratoren und das Regelungssystem – im Blick. Wir sind davon überzeugt, dass die erfolgreiche Umgestaltung des Energiesystems auch zentral von der Mitwirkung der Nutzerinnen und Nutzer abhängt. Deshalb ist die Nutzereinbindung ein zentrales Element des LLEC-Projekts und Kernaufgabe unseres Teams „Engagement und Dissemination“.

Im LLEC-Projekt sind mit „Nutzern“ die Mitarbeitenden auf dem Campus in Jülich gemeint. Diese haben zwei wichtige Kompetenzen, mit denen sie das Projekt bereichern können: Erstens sind sie natürlich Experten für ihren eigenen Arbeitsplatz mit seinen jeweiligen Anforderungen (z.B. Heizung, Kühlung, Labor- oder IT-Infrastruktur). Sie wissen also am besten, wie der Umbau des Energiesystems gestaltet werden muss, damit ihre Arbeit nicht gestört wird oder im besten Falle noch effektiver erledigt werden kann. Zweitens sind viele Mitarbeitende auch Experten für Energie- und Klimaforschung. Sie können daher das Projekt auch mit ihrem Fachwissen unterstützen.

Co-Creation im LLEC

Um die Potenziale der Nutzereinbindung möglichst gut zu nutzen, verfolgen wir im LLEC-Projekt den Ansatz der „Co-Creation“. Dahinter verbirgt sich ein Konzept, das ursprünglich aus den Bereichen Marketing oder Produktgestaltung stammt. Übertragen auf das LLEC-Projekt bedeutet es, dass möglichst alle von dem Umbau des Energiesystems betroffenen Personen daran mitwirken und ihre Erfahrungen und Perspektiven einbringen können und sollen. In einem kollaborativen Prozess wollen wir gemeinsam Lösungen und Strategien für aktuelle Problemstellungen im Projekt finden, bewerten und dann umsetzen. Wir hoffen, dass die Lösungen, die wir auf diese Weise entwickeln, dann von allen Beteiligten positiv bewertet werden.

Abb. 1: Schritte der Co-Creation (eigene Darstellung)

Man kann grob vier Schritte von Co-Creation unterscheiden (siehe auch Abb. 1):

  1. Engagement: alle betroffenen Personen können sich einbringen
  2. Verständnis: Teilnehmende definieren gemeinsam Problemstellungen und nehmen die Perspektiven der anderen wahr
  3. Kreation: Teilnehmende erarbeiten gemeinsam Lösungsvorschläge
  4. Validierung: Vorschläge werden getestet, gemeinsam bewertet und implementiert

Beteiligungsmöglichkeiten im LLEC-Projekt

Ebenso wie das Projekt selbst, entwickeln sich auch die Beteiligungsmöglichkeiten für die Nutzerinnen und Nutzer im Projektverlauf ständig weiter. Bisher nutzen wir die folgenden Methoden zur Nutzereinbindung:

Information: Wir nutzen Intranet-Meldungen, eine Projektwebsite (https://www.fz-juelich.de/llec), diesen Blog, ein internes Onlineforum und eine interne Mailingliste, um Nutzerinnen und Nutzer regelmäßig über den Verlauf des Projekts zu informieren. Auch aktuelle Beteiligungsformate werden über diese Wege angekündigt, damit alle Mitarbeitenden die Möglichkeit haben, sich im Projekt zu engagieren.

Abb. 2: Informationsstand zum LLEC-Projekt beim Neujahrsempfang des Forschungszentrums. Quelle: Forschungszentrum Jülich

Dialog: Kommunikative Beteiligungsmethoden sind ein Schlüsselelement von Co-Creation. Deshalb stehen sie auch bei uns im Fokus. Wir organisieren z.B. jährliche Mitarbeiterworkshops für alle Kolleginnen und Kollegen auf dem Campus. Hier können sie unterschiedliche Themen rund um das Projekt intensiv diskutieren und gemeinsam bearbeiten. Zu Detailfragen und Einzelthemen werden Workshops mit den jeweils betroffenen Personen durchgeführt. So können alle sich direkt einbringen und an für sie relevanten Projektthemen mitarbeiten. Zu verschiedenen Gelegenheiten – wie dem Neujahrsempfang des Forschungszentrums – stehen wir auch für den direkten Austausch zur Verfügung. Und um noch direkter mit den Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch zu kommen, planen wir z. B. zur Veröffentlichung des Energy Dashboards (siehe auch Blogbeitrag A. Xhonneux), einen Informations- und Diskussionsstand in der Kantine einzurichten. Leider sind solche direkten Kontakte im Moment durch die Kontaktbeschränkungen aufgrund der aktuellen Corona-Situation nicht möglich. Trotzdem gibt es weiterhin Möglichkeiten, über Energiethemen und das LLEC-Projekt zu diskutieren. Über ein intranetbasiertes Forum kann jeder auf dem Campus virtuelle Diskussionen anregen und daran teilnehmen. Natürlich stehen wir vom Team Engagement auch immer für direkte Anfragen zur Verfügung. Hierfür gibt es eine eigene E-Mailadresse, über die Mitarbeitende uns auch im Homeoffice erreichen können.

Abb. 3: Mitarbeitende beim Mitarbeiterworkshop im November 2019. Quelle: Forschungszentrum Jülich

 

Abb. 4: Mitarbeitende beim Mitarbeiterworkshop im November 2019. Quelle: Forschungszentrum Jülich

Gemeinsame Aktivität: Für einen erfolgreichen Prozess der Co-Creation ist es zentral, dass alle Mitarbeitenden sich aktiv in den Prozess einbringen können. Neben Dialogveranstaltungen und gemeinsamen Workshops sollen alle auch selbst aktiv werden können. Als ersten Schritt haben wir im LLEC-Projekt hierfür ein intranetbasisertes Energy Dashboard entwickelt, über das die Nutzer die Energieverbräuche der Gebäude auf dem Campus in Echtzeit beobachten können. Hierdurch können Potenziale für Energieeinsparungen aufgezeigt und mögliche Erfolge sichtbar gemacht werden. Das kann helfen, alle zum energiebewussten Verhalten anzuregen. Das Dashboard wird in den nächsten Wochen online gehen. Als nächsten Schritt planen wir eine Campusweite Arbeitsgruppe zur Energieeffizienz, die gemeinsam konkrete Maßnahmen und Aktionen im Rahmen des LLEC-Projekts planen und umsetzen kann.

Alle Beteiligungsformate können nur durch das Engagement der Nutzerinnen und Nutzer zum Erfolg werden. Jeder bringt eigene Vorstellungen, Prioritäten und Ideen mit in das Projekt ein. Das macht unsere Arbeit so spannend und deshalb freuen wir uns schon jetzt auf die nächsten Schritte.

Ellen Kammula

About Ellen Kammula

Ellen Kammula ist promovierte Biologin und seit 2012 wissenschaftliche Referentin bei der Stabsstelle Zukunftscampus. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist das Nachhaltigkeitsmanagement. Im Projekt LLEC ist sie als Teammanagerin für „Engagement and Dissemination“ unter anderem für die Partizipation der Mitarbeiter im Reallabor verantwortlich.

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