Während meines Praxissemesters im Forschungszentrum bekam ich die Chance an einer neurowissenschaftlichen Studie teilzunehmen. Das Institut für Neurowissenschaften und Medizin suchte über den Newsletter nach Probanden, die an einem Reaktionszeitexperiment teilnehmen wollten. Voraussetzungen zur Teilnahme an der Studie waren Deutsch als Muttersprache, Rechtshändigkeit und normale oder korrigierte Sehfähigkeit. Da ich alle drei Kriterien erfüllte, meldete ich mich für das Experiment an.

Das Reaktionszeitexperiment wurde mithilfe einer speziellen Apparatur durchgeführt. Foto: Marcel Bülow

Reizüberflutung

Dr. Paola Mengotti und Jun.-Prof. Simone Vossel möchten mehr Wissen über die Informationsverarbeitung des menschlichen Gehirns sammeln. Diese wird stark durch Erwartungen beeinflusst, d.h., der Mensch erwartet z.B., dass der Dorn an einer Rose piekst, wenn man ihn berührt. Doch was passiert, wenn taktile, akustische und visuelle Erwartungen zusammen treffen?

Die Forscher des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin (INM-3) führen dazu eine Reihe von Experimenten durch. Die Ergebnisse sollen nicht nur relevante und grundlegende Informationen über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns liefern, sondern auch helfen, Probleme in der Informationsverarbeitung nach Schlaganfällen  besser zu verstehen.

Eine spezielle Apparatur

Nach einer Anmeldung per E-Mail war es an einem Dienstagmorgen so weit: Ich machte mich auf den Weg zum INM-3 zu meinem ersten Reaktionszeitexperiment. Nach einer Begrüßung durch eine Assistentin von Dr. Mengotti im Foyer des Instituts, betraten wir einen mit Jalousien verdunkelten Raum. Dann bekam ich eine kurze Erklärung, wie das Experiment ablaufen würde und setzte ich mich in einer bequemen Position an einen Tisch. Vor mir befand sich eine Kopfstütze, ähnlich der, in die man den Kopf stützt, wenn man beim Augenarzt Buchstaben und Zahlen von einer Tafel ablesen muss. Mit Hilfe dieser Apparatur stellte die Assistentin zunächst die vor mir installierte Kamera auf mein rechtes Auge ein. Diese sollte alle Bewegungen und Reflexe meines Auges während des Experiments aufzeichnen.

Mit Hilfe einer Kopfstütze wurde mein Auge exakt auf eine kleine Kamera ausgerichtet. Foto: Marcel Bülow

Dann erklärte sie mir ein spezielles Gerät, welches extra für die Studie entwickelt wurde. Ich sollte die Vorrichtung während des Experiments wie einen Controller einer Spielkonsole in beiden Händen halten. Es befanden sich jeweils zwei Knöpfe auf jeder Seite des Geräts. Auf diese musste ich meine Zeige- und Mittelfinger legen. Ich musste entweder den oberen oder unteren Knopf drücken, je nachdem welcher Reiz oder welcher Befehl gegeben wurde. Kleine Lämpchen, welche sich auch auf dem Gerät befanden, stellten die visuellen Reize dar. Meine beiden Daumen lagen auf einer kleinen Fläche der Apparatur, aus der während des Experiments kleine Stifte fuhren. Sie vermittelten den taktilen Reiz. Dann bekam ich noch einen Kopfhörer für die akustischen Reize aufgesetzt. Nun war meine Aufgabe aufmerksam zu sein und am besten zum richtigen Zeitpunkt die korrekten Knöpfe zu drücken.

Das Experiment startete und ich musste immer wieder den oberen, bzw. unteren Knopf drücken, je nachdem welcher Reiz gegeben wurde. Der akustische Reiz sagte den kommenden taktilen oder visuellen Reiz voraus. Das Schwierige daran war jedoch, dass er nicht immer der Wahrheit entsprach. Mein Gehirn sollte während des Experiments lernen, auf den akustischen Reiz zu hören, um schneller reagieren zu können.

Ehrgeiz geweckt

Nach einer knappen Stunde war der erste Teil des Experiments abgeschlossen. Es war anstrengender als gedacht auf die verschiedenen Reize immer richtig zu reagieren, doch es hat auch sehr viel Spaß gemacht.

Im Anschluss folgte noch ein weiteres Experiment an einem Computer. Die Assistentin öffnete ein spezielles Programm. Nun war es meine Aufgabe, immer dann auf einen Knopf zu drücken, wenn sich innerhalb eines Rechtecks, welches aus 3 mal 3 Punkten bestand, durch sich immer verändernde Linien ein weiteres Rechteck gebildet hatte. Hier wurde mein Ehrgeiz geweckt, denn am Ende wurde angezeigt, wie viele Rechtecke richtig erkannt wurden.

Das Reaktionszeitexperiment war für mich eine sehr interessante Erfahrung. Ich bin froh, einen kleinen Beitrag zur Forschung geleistet zu haben. Auch nach meinem Praxissemester im Forschungszentrum werde ich weiterhin Ausschau nach Probandenaufrufen für wissenschaftliche Studien und Experimente halten.

Das INM-3 sucht oft Teilnehmer für laufende Studien und interessierte Personen können sich in eine Mailingliste aufnehmen lassen.

Sarah-Joana Pütz

Über Sarah-Joana Pütz

Sarah-Joana Pütz studiert Online-Redakteur an der Technischen Hochschule Köln. Von April bis Juli 2017 absolviert die 23-Jährige ein Praxissemester im Forschungszentrum Jülich in der Unternehmenskommunikation (UK-E).

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