Die Arbeit in der Wissenschaft ist abwechslungsreich, herausfordernd und international – das erleben nicht nur Forschende in ihrem Arbeitsalltag, sondern auch Mitarbeiter*innen aus anderen Bereichen. So auch unsere Kolleginnen Marthe Klotz und Doris Vorloeper-Heinz, die beide als Juristinnen am Forschungszentrum tätig sind und im Interview davon berichten, warum sie sich für eine Tätigkeit in der Wissenschaft entschieden haben und was ihre Arbeit so spannend macht. Außerdem geben sie Tipps für all diejenigen, die sich als Jurist*in ebenfalls für die Wissenschaft interessieren. Ein Interview von Alissa Aarts.

Warum haben Sie sich für eine Stelle am Forschungszentrum entschieden?

MARTHE KLOTZ: Dies hatte unterschiedliche Gründe. In meiner juristischen Ausbildung habe ich Erfahrungen in den verschiedensten Rechtsgebieten gesammelt und gemerkt, dass meine Interessen sehr vielseitig sind. Ich arbeite mich gerne in unbekannte Rechtsgebiete ein und beschäftige mich mit neuen komplexen Fragestellungen. Die Arbeit in der Rechtsabteilung des Forschungszentrums warb genau mit einem solchen abwechslungsreichen Arbeitsfeld und mit Rechtsfragen aus den unterschiedlichsten Rechtsgebieten. Außerdem war und ist der internationale Bezug der Arbeit im Forschungszentrum für mich entscheidend. Das Forschungszentrum hat sehr viele Projekte und Vertragsbeziehungen mit Partnern in den unterschiedlichsten Ländern. Nicht zuletzt haben mich die Vorzüge des öffentlichen Dienstes und der Standort Jülich (Nähe zu meinem Geburtsort Aachen) überzeugt.

DORIS VORLOEPER-HEINZ: Mich hat schon immer der Blick über den Tellerrand interessiert, ich wollte mich nicht nur auf die rein rechtliche Beratung beschränken. Und wer mit IP zu tun hat, ist zwangsläufig mit technischen oder wissenschaftlichen Sachverhalten konfrontiert. Daher war mir das Umfeld inhaltlich dem Grunde nach vertraut. Als ich von einer Kollegin von den vielfältigen Verknüpfungen des Forschungszentrums im internationalen Umfeld, insbesondere mit IP Bezug, erfuhr, habe ich mich beworben.

Wofür ist Ihr Geschäftsbereich zuständig?

MARTHE KLOTZ: Immer wiederkehrend stellen sich in der Rechtsabteilung Fragen aus dem Vertragsrecht. Dabei geht es nicht nur um die Auslegung und Interpretation von Vertragsklauseln, sondern auch um die eigenständige Vertragsgestaltung und -verhandlung mit nationalen und internationalen Partnern. Es gibt routiniertere Aufgaben, z.B. aus dem Haftungsrecht, aber auch sehr komplexe und vielschichtige Problemkreise, z.B. aus dem Gesellschafts-, IP-, Energie-, Vergabe- und privaten wie öffentlichem Baurecht. Im Bereich des privaten Baurechts habe ich im Forschungszentrum die Möglichkeit erhalten, die theoretische Ausbildung zum Fachanwalt für das Bau- und Architektenrecht zu absolvieren, weshalb ich mich nunmehr viel mit Fragen aus diesem Rechtsgebiet befasse. Darüber hinaus ist die Rechtsabteilung zuständig für die rechtliche Betreuung von einzelnen Großforschungsprojekten oder Ausgründungsvorhaben. Dabei stellen sich nicht immer nur rein rechtliche Fragen, sondern es sind auch Koordinierungs- und Managementkompetenzen erforderlich.

DORIS VORLOEPER-HEINZ: Wir bearbeiten im Vertragsmanagement alle Verträge rund um das Thema Drittmittel, also Fördergelder aus öffentlichen Förderungen oder der Auftragsforschung. Ein Großteil unseres Tagesgeschäfts sind nationale und internationale Forschungsverträge, aber auch Geheimhaltungsvereinbarungen, MoUs oder allgemeine rechtliche Fragestellungen aus dem Förderbereich. Die Verträge basieren im Wesentlichen auf dem allgemeinen Vertragsrecht, eingebunden in die jeweiligen Förderbedingungen und das Europäische Beihilferecht. Grundlagenkenntnisse in Bezug auf IP sind notwendig, da die Forschungs­kooperationen darauf abzielen, neben dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn auch Schutzrechte für neue Erfindungen oder Software hervorzubringen. Bei internationalen Kooperationen sind Regelungen aus dem internationalen Rechtsverkehr zu berücksichtigen. All diese Themen setzen wir vertraglich um.

Doris Vorloeper-Heinz arbeitet als Fachbereichsleiterin für das Vertragsmanagement im Geschäftsbereich Drittmittelmanagement. Sie hat sich schon früh im Bereich „Intellectual Property“ (IP) spezialisiert und kennt sich mit Patenten, Urheberrechten, sonstigen Schutzrechten aus. Bevor sie im Juli 2018 an das Forschungszentrum kam, war sie als selbständige Rechtsanwältin im Rhein-Erft-Kreis tätig. Foto: privat

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

MARTHE KLOTZ: Das Besondere und auch das Herausfordernde an meiner Arbeit ist tatsächlich der Abwechslungsreichtum. Es stellt sich sehr selten die gleiche Frage zweimal. Im Gegenteil, jeder Vorgang ist neu und erfordert, dass man sich in ein neues Themengebiet einarbeitet. Interessant ist dabei, dass den Rechtsfragen nicht selten ein wissenschaftlicher Sachverhalt oder forschungspolitischer Hintergrund zugrunde liegt. Aber nicht nur die Rechtsgebiete und Sachverhalte sind sehr abwechslungs­reich, sondern auch der Arbeitsalltag an sich. So gibt es neben der Büroarbeit, Gerichtsterminen, Dienstreisen im Rahmen internationaler Projekte oder Fortbildungen auch die Möglichkeit, selbst Vorträge und Präsentationen zu halten. Zuletzt habe ich mit zwei Kolleginnen eines anderen Helmholtz-Zentrums einen digitalen Vortrag über die „Praxis des Abschlusses internationaler Kooperations­vereinbarungen“ gehalten. Den Aspekt der Vernetzung und die Zusammenarbeit mit vielen unterschiedlichen Menschen macht für mich ebenfalls den Reiz meiner Tätigkeit aus.

Besonders viel Spaß macht mir zudem die rechtliche Betreuung eines internationalen Großprojektes in Schweden, bei welchem ich seit einigen Jahren Mitglied in einem Gremium bin und in enger Abstimmung mit den eigenen Wissenschaftler*innen im Forschungszentrum, den anderen deutschen Partnerinstitutionen und dem beteiligten Ministerium stehe. Dort stellen sich nicht nur interessante Rechtsfragen (teilweise sogar aus unterschiedlichen nationalen Rechtsordnungen), sondern es ist auch das Koordinieren, Verhandeln und Abstimmen mit den verschiedensten Interessengruppen national, wie international, gefragt. Bei einer Begleitung über viele Jahre begeistert mich, zu beobachten, wie sich das Forschungsprojekt auf Grundlage des eigens verhandelten Vertrages weiterentwickelt. Selbstverständlich kommt es dabei zu herausfordernden Situationen, wenn verschiedene Interessen in Einklang gebracht oder eigene Rechtsansichten gegenüber dem internationalen Partner verdeutlicht werden müssen. In diesem Zusammenhang hat mir das Forschungszentrum sogar die Möglichkeit gegeben, für drei Monate in der Rechtsabteilung der Forschungsanlage in Schweden zu hospitieren. Das hat mich beruflich, wie persönlich um viele tolle Erfahrungen reicher gemacht und ich denke gerne daran zurück.

Marthe Klotz ist seit März 2014 in der Rechtsabteilung des Forschungszentrums tätig. Seit November 2017 ist sie als Syndikusrechtsanwältin zugelassen. Die Stelle am Forschungszentrum hat sie nach Abschluss ihres Studiums an der Universität Trier und nach ihrer Referendariatszeit begonnen. Für die Ausbildungsstationen des Referendariats war sie in Kempten im Allgäu, Augsburg und München. Außerdem hat sie an der Uni die fachspezifische Fremdsprachenausbildung in Englisch und ein Auslandssemester in Schweden absolviert. Foto: privat

DORIS VORLOEPER-HEINZ: Ich erstelle und verhandele Kooperationsverträge, Aufträge oder Geheimhaltungsvereinbarungen. Dies erfordert eine enge Abstimmung mit den Instituts- bzw. Projektleitern, aber auch mit den jeweiligen Vertragspartnern. Dabei gilt es, die Besonderheiten des Forschungsprojektes vertraglich abzubilden, für mich eine immer neue Herausforderung. Kein Projekt gleicht dem anderen, so dass die Vertragsgestaltung immer wieder neue Aspekte hervorbringt. Der Austausch mit internationalen Partnern ist besonders spannend, wann hat man schon die Möglichkeit, sich mit so vielen europäischen und außereuropäischen Partnern über ein Forschungskonsortium auszutauschen? Neben den Einblicken in andere Rechtssysteme erhalte ich so auch Zugang zu anderen Kulturen. Es ist dann eine besondere Herausforderung, alle vertraglichen Interessen unter einen Hut zu bringen. Videokonferenzen bieten dabei die Möglichkeit, den Vertragspartner zu sehen das finde ich richtig klasse. Von Amerika bis Asien, es gibt zahlreiche Kooperationen. Dienstreisen sind aufgrund der aktuellen Corona-Situation derzeit leider nicht möglich.

Was unterscheidet das Arbeiten als Jurist*in am Forschungszentrum von der Arbeit in der Wirtschaft?

MARTHE KLOTZ: Da dies meine erste Arbeitsstelle nach dem Studium ist, kann ich aus eigener Erfahrung nur aus den Stationen des Referendariats berichten. Hier ist aus meiner Sicht ein entscheidender Unterschied der Tätigkeit im Forschungszentrum zu denen in der Wirtschaft oder einer Kanzlei der Abwechslungsreichtum und die Vielschichtigkeit der Arbeit. Nicht zuletzt sind die Arbeitszeiten im Forschungszentrum dabei angemessen.

DORIS VORLOEPER-HEINZ: Die tägliche Verknüpfung von Wissenschaft und Jura erfordert ein sorgsames Abwägen von rechtlichen Interessen und den Ideen der Wissenschaft. Die Wissenschaftler*innen sehen in ihren Forschungspartnern kooperative Teilnehmende eines Projektes. Die Vertragsparteien stehen sich nicht kontradiktorisch wie in einem Prozess gegenüber. Gleichwohl gilt es auch die Interessen des Forschungszentrums, z. B. in Bezug auf den Patentschutz, zu wahren. Das muss ich als Vertragsjuristin im Rahmen der Verhandlung dann durchsetzen. Insofern ist ein hohes Kommunikationsgeschick gefordert. Aktuelle Themen zur Zukunftsgestaltung finden Eingang in die Projekte und sind somit Teil der Verträge. Das begeistert und motiviert mich.

Welche Tipps haben Sie für Jurist*innen, die sich für eine Position im wissenschaftlichen Umfeld interessieren?

MARTHE KLOTZ: Potentielle Bewerber*innen sollten neuen, manchmal auch völlig unbekannten Themengebieten und Rechtsfragen aufgeschlossen gegenüberstehen. Ein Interesse an der Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Menschen und Interessengruppen ist Grundvoraussetzung. Dies erfordert nicht selten ein Gespür für die Interessen anderer und der gemeinsamen Schnittmenge. Es ist nicht notwendig, dass potentielle Bewerber*innen wissenschaftliche Kenntnisse mitbringen, aber es sollte auch hier die Bereitschaft bestehen, sich mit (nicht-juristischen) Forschungsthemen auseinanderzusetzen. Gute Englischkenntnisse sind ebenfalls notwendig, denn ca. die Hälfte der Vertragstexte oder Rechtsfragen, die der Rechtsabteilung vorgelegt werden, sind in englischer Sprache verfasst.

DORIS VORLOEPER-HEINZ: Fundierte rechtliche Kenntnisse aus der Vertragsgestaltung sind unabdingbar, ebenso das Interesse, sich auf Themen aus der Wissenschaft einzulassen. Ein präzises sprachliches Ausdrucksvermögen, auch in englischer Sprache, ist grundlegend, da die Wissenschaft überwiegend englisch korrespondiert und internationale Verträge regelmäßig in Englisch verfasst sind. Darüber hinaus müssen wir Jurist*innen uns abstrakt vorstellen können, was das von wissenschaftlichem Interesse geleitete Projekt an rechtlichen Fragestellungen mit sich bringen könnte. Dies stellt sich in der Realität häufig komplexer dar, als zunächst gedacht. Es freut uns, wenn am Ende ein Vertrag herauskommt, der dem Projekt in jeder Hinsicht gerecht wird. Dann steht einer erfolgreichen Projektumsetzung aus unserer Sicht nichts mehr im Wege.

Weitere Informationen zum Forschungszentrum Jülich als Arbeitgeber und unseren ausgeschriebenen Stellen finden Sie unter: www.fz-juelich.de/karriere

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