Projektträger sind für Bundes- und Landesministerien, privatrechtliche und öffentliche Stiftungen sowie für die Europäische Kommission tätig. Sie setzen Forschungs- und Innovationsförderprogramme um und tragen damit zur Lösung gesamtgesellschaftlich relevanter Probleme bei.[1]

Im Jahresbericht 1973 der damaligen KFA Jülich ist erstmals von Projektträgern die Rede:

„Das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) schaltet im Rahmen seiner Förderungspolitik zunehmend externe Stellen zur fachlichen und administrativen Koordinierung und Abwicklung seiner verschiedenen Förderungsprogramme ein. In diesem Zusammenhang hat das BMFT das Konzept entwickelt, die Vorbereitung und Abwicklung der Förderung von Projekten und Teilprogrammen und deren Betreuung in wissenschaftlich-technischer und verwaltungsmäßiger Hinsicht einem ‚Projektträger‘ zu übertragen. Jülich erhielt in diesem Jahr die Projektträgerschaft auf den Gebieten Nukleare Festkörperforschung und Brennelement-Entwicklung zugesprochen.“

Bereits 1974 kam die Projektträgerschaft für das nichtnukleare Energieforschungsprogramm der Bundesrepublik hinzu. Somit kann der Projektträger Jülich auf 45 Jahre Förderung nichtnuklearer Energieforschung verweisen.

Im Hintergrund stand die Überlegung, dass aufgrund  der Personalkapazität des BMFT die notwendige Beratung, Bewertung und Betreuung von Fördervorhaben nicht zu leisten sei, zumal der Personaletat des Ministeriums nicht allzu sehr aufgebläht werden sollte.[2] Im Ministerium wollte man sich auf die großen Linien konzentrieren und bei der Projektrealisierung die Erfahrungen der bundesdeutschen Großforschungszentren nutzen. Bereits 1978 wurden sechzig Prozent der Projekte des Bundesforschungsministeriums über Projektträgerschaften abgewickelt. Der Projektträger Jülich übersprang 1986/87, noch zu DM-Zeiten, erstmals die Milliardenhürde.

PtJ beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter und betreut über 20.000 laufende Vorhaben mit einem Fördervolumen von 1,6 Milliarden Euro

Eingangsbereich des PtJ auf dem Jülicher Campus.

PtJ setzt Forschungs- und Innovationsförderprogramme um. In diesem Rahmen berät er Antragsteller, bewertet die Projekte und vergibt Fördergelder. Die Hauptfelder sind zur Zeit Energie und Klima sowie Nachhaltige Entwicklung, Innovations- und Wissenstransfer. Am Hauptsitz Jülich sowie in den Geschäftsstellen Berlin, Bonn und Rostock beschäftigt PtJ rund 1.200 Mitarbeiter und betreut über 20.000 laufende Vorhaben mit einem Fördervolumen von 1,6 Milliarden Euro.

1,6 Milliarden! Es ist angesichts dieses Fördervolumens und des damit verbundenen Einflusses bemerkenswert, dass Projektträgerschaften auch unter Historikern, die sich mit der neueren Geschichte der Wissenschaftsförderung befassen, wenig bekannt sind.

Auftraggeber von PtJ sind Bundes- und Landesministerien, die Baden-Württemberg-Stiftung sowie die Europäische Kommission. Gefördert werden Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen, aber auch einzelne Personen. Dabei fördert PtJ entlang der gesamten Innovationskette, d. h. von der Grundlagenforschung bis zur Markteinführung. Daraus ergibt sich, dass der Schwerpunkt auf der Förderung anwendungsorientierter Forschung liegt.

Forschungsergebnisse sollen also in die ökonomische Wertschöpfungskette überführt werden und in vielen Programmen einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen erbringen. So setzt PtJ im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) sowie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) das 7. Energieforschungsprogramm der Bundesregierung um. Hier werden insbesondere Projekte gefördert, die zur Transformation des Energiesystems beitragen sollen. Im Rahmenprogramm Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA) des BMBF sollen nachhaltige Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft initiiert und unterstützt werden. Weitere Programme fördern die Erforschung neuer Materialien, Forschung zum Schutz der Meere, Küsten und Pole, stellen Unternehmensgründungen in den Mittelpunkt oder erschließen Potenziale zur Emissionsminderung.

Die Projektförderung in concreto

Wie haben wir uns die Projektförderung in concreto vorzustellen? Nehmen wir ein Beispiel: Um die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen, setzt die Politik bekanntlich auf das Radfahren, jedenfalls unter Anderem. Das Bundesumweltministerium initiiert ein entsprechendes Förderprojekt. Daraufhin stellt PtJ einen „Förderaufruf Klimaschutz durch Radverkehr“ ins Netz. Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen können sich bei PtJ um Förderung bewerben:

  1. In der ersten Stufe legen die Antragsteller der PtJ Projektskizzen vor, die unter Einbeziehung externer Gutachter bewertet werden.
  2. Fallen die Bewertungen positiv aus, wird der förmliche Antrag gestellt.
  3. Wird dem Antrag stattgegeben, setzt die Förderung ein. Je nachdem, ob es sich bei dem Antragsteller um ein Unternehmen oder eine Hochschule bzw. eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung – wie das FZJ –  handelt, wird mit bis zu 50 Prozent oder mit bis zu 100 Prozent gefördert.

Wir können uns solche Förderinitiativen wie Korridore denken, innerhalb deren Breite gefördert wird. Der Korridor „Klimaschutz durch Radverkehr“ ist vergleichsweise schmal. Die größte Breite weisen die Programme der Nationalen Klimaschutzinitiative auf. Hier betreut PtJ mehrere tausend Projekte.

Beispiel „Förderaufruf für kommunale Klimaschutzprojekte“

Einen vollständigen Überblick über die von PtJ betreuten Förderinitiativen gibt die „Förderinitiativensuche“ die sich an potenzielle Antragsteller richtet. Hier sind alle Vorhaben aufgeführt, die von PtJ bearbeitet werden. Bringen wir daraus ein Beispiel:

„Förderaufruf für kommunale Klimaschutzprojekte“ – Zuwendungsgeber: Bundesumweltministerium – Einreichungsfrist bei PtJ: 31.10.2019.

Die oben zitierte Passage aus dem Jahresbericht 1973 erweckt den Eindruck, Projektträger seien der verlängerte Arm der Zuwendungsgeber. Aber die Verhältnisse haben sich etwas geändert. Weite Teile der PtJ-Arbeit besitzen inzwischen ausgesprochenen Forumscharakter. Somit wirken die Projektträger auch in das BMBF und andere Ministerien hinein und tragen zur Weiterentwicklung der Förderkonzepte bei.

Darüber hinaus veranstaltet PtJ für seine Auftraggeber Tagungen wie etwa „Maritime Technologien“ oder Kongresse wie den „2. Kongress Energiewendebauen“. Tagungsbände werden in einer eigenen PtJ-Schriftenreihe veröffentlicht. Ebenfalls publiziert werden Abschlussberichte. So etwa: „Erfolgskontrolle der Förderinitiative Energiespeicher. Öffentlicher Abschlussbericht, Juli 2017“. PtJ erstellt Informationsbroschüren, Tagungsbände, Flyer, Audio-, Video und Social Media-Beiträge und betreut Webauftritte.

Potentielle Anwender werden in Veranstaltungen wie etwa der „Roadshow Nachhaltige Entwicklung“ mit den Projektergebnissen bekannt gemacht. Die Roadshow ist eine bundesweite Veranstaltungsreihe, die im Januar 2019 ein zweites Mal in Stuttgart Station machte.

Wie bereits hervorgehoben, hat die zeitgeschichtliche Forschung das Thema „Projektträgerschaften“ weitgehend vernachlässigt. Eine Ausnahme ist die Master-Arbeit von Philipp Karschuck, inzwischen promoviert und an der TU Dresden tätig. Die Arbeit entstand hier in Jülich, basiert größeren Teils auf Unterlagen von PtJ und des Jülicher Vorstandsarchivs und trägt den Titel „Die Projektträgerschaften als Instrument der Forschungsförderung des Bundes“.

Interessenten können sie vom Publikationsportal JuSER der Zentralbibliothek des FZJ heruntergeladen.

 


[1] Projektträgerschaften sind ausgesprochen komplexe Gebilde. Ich habe den Herren Bier und Pieper von PTJ für Kritik und Richtigstellungen zu danken.

[2] Strukturell ähnlich war die Entscheidung des alten Atomministeriums, achtes Vorgängerhaus des heutigen BMBF, mit der Deutschen Atomkommission (DAtK) ein beratendes Gremium mit Verbindungen zu Wissenschaft, Industrie und Politik zu schaffen. Allerdings wurde die DAtK mächtiger als das Atomministerium selbst.

Bernd Rusinek

About Bernd Rusinek

Prof. Dr. Bernd-A. Rusinek leitet seit Anfang 2007 das Archiv des Forschungszentrums, zugleich lehrt er Neuere und Neueste Geschichte in Düsseldorf.

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