Überall auf dem Campus erkennen wir Auseinandersetzungen mit Schlüsselwerken der Moderne. Wer denkt bei den Eisenwänden zur Innenabstützung ausgehobener Gräben nicht an die Skulpturen von Richard Serra? Erd- und Schachtarbeiten sind natürlich eine Anspielung auf Anselm Kiefer. Geht die Optik mancher unfertiger Innenreparaturen und Malerarbeiten vielleicht auf die Auseinandersetzung der Installateure und Maler mit dem Werk des späten Jackson Pollock zurück? „Aber nein“, so einer der Mitarbeiter, „also Sie haben ja überhaupt gar keine Ahnung! Doch nicht Jackson Pollock. Cy Twombly natürlich, denken Sie doch mal an ‘The Italians‘ …“

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Vermutlich ist über die Jülicher Stadtgeschichte fast alles gesagt. Römersiedlung; Cäsar schlug die Eburonen, wenn auch nicht völlig, so dass die Ubier das Terrain zeitweise in Beschlag nehmen konnten; Aufbau einer Festung im Mittelalter, die später als die stärkste Europas galt. Jülich gehörte nacheinander, in kürzeren oder längeren Abschnitten, womöglich den Eburonen sowie danach den Ubiern, anschließend den Römern, den Franken, dem Erzbischof von Köln, dem Haus Berg; die Stadt geriet in pfälzische, spanische, französische und preußische Hände.

„Und jeder haut, und jeder sticht (…)“ (Wilhelm Busch)

Peter Paul Rubens "Die Einnahme von Jülich"

Peter Paul Rubens „Die Einnahme von Jülich“

Ohne Vollständigkeit anzustreben ergibt ein flüchtiger Überblick mehr als fünfzehn Kriege, Zerstörungen und Eroberungen. In Mitleidenschaft gezogen wurde die Festungsstadt Jülich etwa im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) und im Achtzigjährigen Krieg (1568 – 1648), ebenso in der Franzosenzeit. Vollkommene Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Im Gegensatz zur Festung selbst war der Nimbus der Festung ungebrochen, so dass sich Winston Churchill in den Trümmern fotografieren ließ. Nach Kriegsende beteiligte Jülich sich an dem „makabren Wettbewerb“ (Heinrich Böll), welche deutsche Stadt am meisten zerstört worden sei. Auch die vielfach anzutreffende finstere Wander-Anekdote, man habe die Trümmer verlassen und die Stadt anderswo aufbauen wollen, ist über Jülich zu hören.

Wir dürfen bei historischer Betrachtung des Kriegsgetümmels keinesfalls den Jülich-Klevischen Erbfolgekrieg (1609 – 1614) vergessen! Er hat etwa mit dem deutsch-dänischen Krieg von 1864 gemeinsam, dass ihn kaum jemand versteht. Geschichtsspötter wie Gottfried Benn oder Robert Musil hätten ihre Freude daran gehabt.[1] Wer sich in der Geschichte der Kathederblüte auskennt, wird an die legendäre Frage Professor Gallettis im Geschichtsunterricht erinnert: „Wer schlug wen, wann und wo?“ Wäre der Verfasser dieser Zeilen genötigt worden, sich im Abitur mit den Wirrnissen des Jülich-Klevischen Erbfolgekrieges auseinanderzusetzen, hätte er ein anderes Studienfach gewählt.

Mit ihrer Festung hatten die Jülicher oftmals Pech. Je geschlossener ein Festungssystem, desto leichter kann es ausgehungert werden. Die Festung wurde wohl siebenmal erobert oder kampflos übergeben. Ihre Reste verhinderten im 19. Jahrhundert, dass Jülich an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde. Stattdessen erhielt Düren den Zuschlag. Jülich verhält sich zu Düren wie Düsseldorf zu Köln. Fast hätte Düren nach der Eisenbahn auch noch ein weiteres Modernisierungsgeschenk erhalten. Sie wäre nämlich um ein Haar Standort der nordrhein-westfälischen Kernforschungsanlage geworden, des heutigen Forschungszentrums Jülich, ohne das die Modernisierung der Stadt schwer vorstellbar ist. In Unterlagen der Frühzeit ist von der „Kernforschungsanlage Düren“ die Rede.

Das Renaissance-Schloss im Innern der gewaltigen Zitadelle (2014) Bild: KlausMiniwolf - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, Link

Das Renaissance-Schloss im Innern der gewaltigen Zitadelle (2014) Bild: KlausMiniwolfEigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, Link

Iuliacum und das Forschungszentrum

Iuliacum war der Name Jülichs in der Römerzeit. Es mag überraschen, dass die Errichtung des heutigen Forschungszentrums unsere Kenntnisse über die römische Siedlung Iuliacum / Jülich vertieft hat. So wurde bei den Bauarbeiten für das Seekasino ein römischer Brunnen entdeckt, ein zweiter auf der Baustelle für das Gebäude der Reaktorvorentwicklung (später IFF).

Den Wohlstand der Stadt zur Römerzeit bezeugt eine mächtige Jupitersäule, deren Basis erhalten ist. Aufschrift: „vicani iuliacenses“ (die Bewohner des vicus[2] Iuliacum“). Auch von römischen Thermen, öffentlichen Badehäusern, weiß man. Die Einwohnerzahl Iuliacums weiß man nicht.[3]

Die Mehrzahl der Bevölkerung zu römischer Zeit lebte in Einzelgehöften (villae rusticae). Auf der so genannten Aldenhovener Platte, westlich von Jülich, 35 km2, konnten bis heute mehr als 50 villae nachgewiesen werden, im Hambacher Forst, östlich Jülichs gelegen, wohl an die 150. Gehen wir von den Zahlen aus, die Werner Eck errechnet hat, der beste Kenner der Römerzeit im Raum Köln, so lebten auf diesen Gehöften wohl rd. 3.000 Menschen.

Regionale Straßen verbanden Iuliacum / Jülich mit Aachen, Kaldenkirchen, Neuss und Zülpich. Durch Iuliacum  verlief eine überregionale Straße von Köln bis Maastricht und noch weiter in Richtung Westen. Diese überregionale Straße bestand aus einer Kiesschottung und war 4,9 bis 8 m breit, rechts und links 4 bis 8 m breite Sandstreifen.

Fahren wir aus dem Forschungszentrum durch das Waldtor hinaus, halten wir uns links und biegen den Weg zum Parkplatz Merscher Höhe ein, so finden wir eine kleine Allee historischer Meilensteine. Deren erster stammt aus den Jahren 325/326 n. Chr. und weist nach Colonia Agrippinensis (Köln), Entfernung XVI Leugae (35,5 km).

In Jülich / Iuliacum selbst wurden hochwertiges Glas, Keramik (bisher 16 Brennöfen entdeckt), Metallgeräte, Mühlsteine und Werkzeuge hergestellt, ebenso Lederwaren.

Von besonderem Wert ist ein gut erhaltener ledernder Kinderschuh aus römischer Zeit. Er wurde auf dem Gelände des Forschungszentrums gefunden.

Viele Gastwissenschaftler und Tagungsteilnehmer im Forschungszentrum fragen nach der Geschichte Jülichs, dazu angeregt vielleicht durch Peter Paul Rubens‘ Gemälde «La Prise des Juliers» („Die Einnahme von Jülich“).  Daher hat das Forschungszentrum  bereits Ende der 1980er Jahre eine Überblicksdarstellung herausgegeben: Kernforschungsanlage Jülich GmbH, High Tech auf historischem Boden, Jülich 1989 (Zentralbibliothek: afg 36).


[1] Siehe: Gottfried Benn, Zum Thema Geschichte, in: Ders., Essays und Reden in der Fassung der Erstdrucke, hg. v. Bruno Hillebrand, Ffm. 1989, S. 353 – 367 (insbesondere Abschnitt III, „Geschichte war immer so“).

Kunden, die den Artikel von Gottfried Benn gekauft haben, kauften auch: Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, Bd. 1, Reinbek 1978 (insbesondere Kapitel 83, „Seinesgleichen geschieht oder warum erfindet man nicht Geschichte“).

[2] Vicus = größere Siedlung.

[3] Ein großer Teil der Angaben zur römischen Geschichte Jülichs sind dem monumentalen Werk von Werner Eck entnommen: Köln in römischer Zeit. Geschichte einer Stadt im Rahmen des Imperium Romanum, Köln 2004 (Geschichte der Stadt Köln, Bd.1).

Die Hauszeitschrift „KFA intern“ erschien ab Juni 1970 vier- bis fünfmal pro Jahr. Sie sollte der internen Öffentlichkeitsarbeit dienen und  – modern gesprochen –  zur Corporate Identity des Forschungszentrums beitragen.

„KFA intern“ führte bis Ende 1989 den Untertitel „Nachrichten und Berichte aus der Kernforschungsanlage Jülich“. 1990 erhielt sie ein neues Logo und firmierte nun als „Intern. Nachrichten und Berichte. Forschungszentrum Jülich GmbH“. In der hergebrachten Form erschien sie von 1970 bis 2007. Mit dem Heft 1 / 2008 wurde „intern“ modernisiert. Sie erschien nun in großzügigerer Aufmachung, mit neuer Themenstrukturierung und im Corporate Design des Forschungszentrums. Wir erkennen hier einen Modernisierungsprozess der internen und externen Unternehmenskommunikation. Er fand ungefähr zeitgleich in vielen Unternehmens- und Universitätsmagazinen statt. Über diese Entwicklung hatte an der Universität Düsseldorf eine Doktorarbeit entstehen sollen, aber die Verfasserin wurde nicht fertig.

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Am 13. November 1995 wurde die „Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren“ gegründet. Man war historisch informiert und hat nicht etwa den Namen „Helmholtz-Gesellschaft“ gewählt. Diese war 1920 entstanden, um auf Spendenbasis wissenschaftlich-technische Instrumente anzukaufen und Wissenschaftlern zur Verfügung zu stellen sowie Auslandsstipendien zu gewähren.

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Der GMR-Effekt bewirkte eine Revolution auf dem Gebiet der Computer-, Kommunikations- und Informationstechnologie. Er wurde zeitgleich von Peter Grünberg (Jülich) und Albert Fert (Paris) entdeckt. Beide erhielten 2007 den  Nobelpreis für Physik.[1]  

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Sie sah aus wie ein Lounge-Sofa in einem 5-Sterne-Hotel an der Königsallee und wurde tatsächlich als teuerste Sitzbank der Welt bezeichnet. Sie kostete 15 Millionen DM, das Zentrum mietete sie über eine Leasingfirma an.

Die Rede ist von dem 1984 in Betrieb genommenen Großrechner bzw. „Größtrechner“ Cray X-MP 22, seinerzeit schnellster Computer der Welt.

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Das Büro für Chancengleichheit berät Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Fragen wie Elternzeit, Kinderbetreuung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Kerngeschäft ist die Chancengleichheit. Regelmäßig erstattet das BfC dem Vorstand einen Fortschrittsbericht, dessen Ergebnisse dem Aufsichtsrat zur Kenntnis gebracht werden. Dreimal jährlich erscheint der Vereinbarkeits-Newsletter.

1998 wurde im Aufsichtsrat vorgeschlagen, ein Büro für Chancengleichheit einzurichten. Es wurde 2000 eröffnet. 

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