I

Seit 1963 existiert in Jülich die Betriebssportgemeinschaft (BSG). 1973 war sie die größte derartige Gemeinschaft in Nordrhein-Westfalen und firmierte nun auch als eingetragener Verein. Heute  – 2019 –  ist die Jülicher Betriebssportgruppe die zweitgrößte in NRW. Der ursprüngliche Name war „Betriebssportgemeinschaft Kernforschung“ (BSGK). 1990, als die Kernforschungsanlage Jülich zum Forschungszentrum Jülich wurde, legte auch die Sportgemeinschaft das „K“ ab.

Bereits vor der BSG-Gründung wurde im Forschungszentrum, damals „KFA e. V.“, Sport betrieben, vor allem Fußball, in zweiter Linie Tischtennis. Am Anfang stand der Wunsch nach Spaß und Kameradschaftlichkeit, um diesen in die Jahre gekommenen Ausdruck zu bemühen.

Die Fitnesswelle („Trimm Dich fit durch Sport“) setzte erst in den späten 1970er Jahren ein, Joggen, teils gemächlich, teils drahtig, teils unter Schnappatmung, erzielte in den 1980ern den Durchbruch und löste das teils sinnliche  Flexing der Aerobic-Gymnastik ab. Diese und weitere Trend-Sportarten fanden in den Aktivitäten der Jülicher BSG ihren Niederschlag, so Dance-Aerobic mit Zumba (latein-amerikanischer Tanz) und Asienimporte wie Aikido (defensiv ausgerichtete tänzelnde Kampfsportart) und Qigong (Gymnastik auf Basis des buddhistischen Achtsamkeitsmovements). Aber im Vordergrund stehen nach wie vor die Klassiker wie Fußball, Gymnastik, Joggen, Tischtennis. Heute werden über zwanzig Sportarten angeboten, in fünfzig Sportgruppen wird trainiert und gespielt. Ein besonderes Augenmerk ist auf Kinder- und Jugendsport gerichtet.

Der Betriebssport der frühen Jahre ist vom Erlebnis des Betriebes als einem „Sozialgebilde“ (Götz Briefs) nicht zu trennen. Die Gemeinschaftlichkeit im Mannschaftssport kam dem Betriebsklima zugute. Nichts symbolisiert dieses Bestreben besser, als dass Vorstandsmitglieder bei Jülicher Fußballturnieren mitspielten  –  heute schwer denkbar. Auch Institutsleiter mischten oftmals mit. Was, wenn ein Doktorand seinen Doktorvater foult?

Betrachten wir die Entwicklung insgesamt, so lässt sich feststellen, dass die Beteiligung an Betriebssportgruppen zurückgeht. Die BSG Jülich, derzeit 2.023 Mitglieder, erscheint als Ausnahme. Sie lässt sich auf das breite Spektrum der Sportangebote zurückführen.

Vielen anderen Sportvereinen setzt dagegen der Fitness-Studio-Boom zu. Nicht jeder mag bei den oft in die Nächte gehenden Jahresversammlungen über die „Entlastung des Kassenwarts“ diskutieren. Der Dachverband der deutschen Sportvereine setzte diesem Trend die Kampagne „Im Verein ist Sport am schönsten“ entgegen.

Es fällt immer schwerer, ehrenamtliche Trainer zu gewinnen. Dies ist auch in der FZJ-Sportgruppe der Fall. Wenn Sie Trainer werden wollen, melden Sie sich gerne bei der BSG an.

II

Plakat zur „Atomiade“ 1973, Quelle: kfa intern, Heft 1, 1973.

Von früh an waren die Sportgruppen der bundesdeutschen Großforschungseinrichtungen bestrebt, sich national und international zu vernetzen. So wurden „Reaktoren-Fußballturniere“ ausgetragen, das erste 1966 in Karlsruhe, das zehnte 1978 in Mol, dem belgischen Kernforschungszentrum. Durch die ASCERI (Association oft he Sportscommunities of the European Research-Instituts) wurde der Betriebssport auf die internationale Ebene gehoben. Diese Organisation mit mehr als 25.000 Mitgliedern ist ohne Jülicher Impulse nicht zu denken, vor allem nicht ohne den unermüdlichen Heinz Rhein (1932 – 2019).

Auf ihn geht die „Atomiade“ zurück, eine Woche der sportlichen Wettkämpfe. Die Atomiade wurde 1973 in Jülich gegründet und hier aus Anlass des zehnjährigen BSG-Bestehens auch erstmals ausgetragen. In Jülich fanden ferner die 6. Atomiade (1988) und die elfte (2003) statt. Ab 1985 wurden Gespräche mit Vertretern östlicher Forschungszentren geführt. 1991 fand die Atomiade in Budapest statt. Weil als Label etabliert, führt die Atomiade ihren Namen noch immer.

Die Betriebssportgemeinschaft des Forschungszentrums Jülich hat zum 50. Jahrestag der Gründung eine Chronik veröffentlicht, „Festschrift zum 50-jährigen Vereinsbestehen – 1963 2013“. Sie kann in der Zentralbibliothek ausgeliehen werden. Signatur:

A FG 1

 


Für wichtige Hinweise habe ich Frau Anita Eckert zu danken, Geschäftsführerin und Schriftwartin der Betriebssportgemeinschaft Forschungszentrum Jülich.

Bernd Rusinek

About Bernd Rusinek

Prof. Dr. Bernd-A. Rusinek leitet seit Anfang 2007 das Archiv des Forschungszentrums, zugleich lehrt er Neuere und Neueste Geschichte in Düsseldorf.

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