Vögel zwitschern, Sonnenstrahlen durchdringen nur zaghaft die dichten Baumkronen am Rande der großen Lichtung in der Nordeifel. Mitten durch die Kahlfläche schlängelt sich der Wüstebach durch sein Bett. Unweit marschiert eine Gruppe von Bild der Wissenschaft-Lesern durch Gehölz.

 

Bei jedem Schritt knacken vertrocknete Fichtenzweige unter den Schuhen. 8 Hektar Fichtenwald hat der Nationalpark Eifel hier 2013 schlagen lassen. Die Kahlfläche soll aber nur eine Zwischenstufe sein. Erste Ebereschen- und Buchensämlinge strecken schon ihre grünen Blätter hervor. In 30 Jahren sollen hier wieder Auenwälder mit heimischer Birke, Buche und Erle stehen und sich unbeeinflusst von Mensch und Forstwirtschaft entwickeln dürfen.

Der Trupp überquert den Bach und schiebt sich eine mit Gräsern bewachsene Anhöhe hinauf – bis plötzlich ein mannshoher Metallzaun den Weg versperrt, dahinter sensible Messgeräte, die unzählige Daten auswerten. Alexander Graf vom Jülicher Institut für Bio- und Geowissenschaften erklärt den Bild der Wissenschaft-Lesern, warum die „Rodungsmaßnahmen“ für die Forschung so interessant sind.

 

Das Netzwerk TERENO

Die Messungen in der Eifel finden im Rahmen des Großprojekts TERENO statt. TERENO steht für TERrestrial ENvironmental Observatories und ist zunächst vor allem eines: eine Ansammlung von Geräten, um in der Luft und am Boden Umweltdaten zu sammeln. Sechs Helmholtz-Zentren sind an dem Großvorhaben beteiligt, das 2008 von der Helmholtz-Gemeinschaft gestartet wurde und rund 15 Jahre laufen soll. Es vereint Hydrologen, Bodenforscher, Biologen, Klimatologen und Sozioökonomen. Gemeinsam untersuchen sie, welche lokalen Folgen der globale Klimawandel mit sich bringt – für den Boden, das Wasser, die Vegetation und letztendlich den Lebensraum des Menschen.

Unweit der Anhöhe erkundet eine zweite Gruppe der Leserreise den Wüstebach. Voraus stapft Thomas Pütz, der für die Instrumente im TERENO-Projekt zuständig ist. An einer Messstation direkt macht er im sumpfigen Morast Halt und erklärt erste Umweltveränderungen im Zuge der Entfichtung.

 

Unterirdische Messstation

Die Gruppe verlässt die Lichtung und folgt einem breiten, mit großen Pfützen gepflasterten Weg in den Wald hinein. Nur gut, dass alle an festes Schuhwerk gedacht haben. Ein paar Schritte hinter der letzten Kurve tauchen die nächsten Instrumente auf. Auf den ersten Blick sehen sie recht unscheinbar aus: große, kreisrunde Stahlringe von einem Meter Durchmesser schauen aus dem Boden. „Nur nicht darauf treten“, sagt Pütz. Denn darunter verbergen sich empfindliche Waagen – wahre Datensammel-Wunder: „Jeder dieser rund 1,50 Meter hohen Metallzylinder – Lysimeter genannt – ist gefüllt mit Erde und mit zahlreichen Sensoren ausgestattet“. Die ganze Anlage arbeitet vollautomatisch und übermittelt funkgesteuert Daten zu Verdunstung, Niederschlag, Temperatur, Gehalt an Kohlendioxid und vielen weiteren Parametern. Das wollen sich die Bild der Wissenschaft-Leser genau ansehen: Über eine steile Leiter klettern sie in die unterirdische Messstation, die neben Pütz Platz für sechs Mann und eine Frau bietet.

photo-2016-10-18-12-00-51_fullsizerender

„Spannend daran ist: Gemeinsam mit unseren Partnern im TERENO-Projekt können wir mithilfe der Lysimeter ein Stück weit den Klimawandel simulieren“, berichtet Pütz unter der Erde. Die gefüllten Lysimeter habe man dazu von einem TERENO-Untersuchungsgebiet in ein anderes versetzt. Und das nicht zufällig, sondern nach einem bestimmten Muster: Wir haben die Böden jeweils in das Klima versetzt, das aufgrund des Klimawandels für ihre Ursprungsgebiete in der Zukunft prognostiziert wird. „Dadurch erhalten wir Eindrücke, wie Böden auf künftige Klimaänderungen reagieren könnten“, erklärt Pütz wieder an der Oberfläche.

Gern hätte er noch alle Fragen der Bild der Wissenschaft-Leser beantwortet und vermutlich noch Stunden über das TERENO-Projekt mit seinen Messstationen in der Eifel berichtet. Doch die Truppe muss los, der Bild der Wissenschaft-Bus sollte bereits vor 15 Minuten abgefahren sein.

photo-2016-10-18-11-58-27_fullsizerender
Videos und Fotos: Marcel Bülow, (c) Forschungszentrum Jülich
Marcel Bülow

Über Marcel Bülow

Marcel Bülow, a science journalist by training, joined Forschungszentrum Jülich in 2012. As social media manager in the corporate communications department he is editor of the „Jülich Blogs“ and the voice of Forschungszentrum Jülich on Facebook, Twitter and Co.

Ein Kommentar zu “Ab ins Gehölz: Bild der Wissenschaft-Leser besuchen Jülicher Forscher in der Eifel”

Einen Kommentar schreiben

  • (will not be published)

Trackbacks and Pingbacks:

  1. Bunter Herbst mit reicher Datenernte

    […] von Baumschule – was mir erst so richtig klar wird, als einmal ein Exkursionsteilnehmer einer Bild der Wissenschaft-Leserreise fragt: „Ach, die sind gar nicht angepflanzt?“. Jetzt messen wir den Zuwachs des letzten Sommers […]