Die Hauszeitschrift „KFA intern“ erschien ab Juni 1970 vier- bis fünfmal pro Jahr. Sie sollte der internen Öffentlichkeitsarbeit dienen und  – modern gesprochen –  zur Corporate Identity des Forschungszentrums beitragen.

„KFA intern“ führte bis Ende 1989 den Untertitel „Nachrichten und Berichte aus der Kernforschungsanlage Jülich“. 1990 erhielt sie ein neues Logo und firmierte nun als „Intern. Nachrichten und Berichte. Forschungszentrum Jülich GmbH“. In der hergebrachten Form erschien sie von 1970 bis 2007. Mit dem Heft 1 / 2008 wurde „intern“ modernisiert. Sie erschien nun in großzügigerer Aufmachung, mit neuer Themenstrukturierung und im Corporate Design des Forschungszentrums. Wir erkennen hier einen Modernisierungsprozess der internen und externen Unternehmenskommunikation. Er fand ungefähr zeitgleich in vielen Unternehmens- und Universitätsmagazinen statt. Über diese Entwicklung hatte an der Universität Düsseldorf eine Doktorarbeit entstehen sollen, aber die Verfasserin wurde nicht fertig.

Die alte „intern“

Hier soll von der alten „intern“ die Rede sein. Überschauen wir zunächst die Illustrationen: Unglaublich, wie viel damals geraucht wurde! Die Frisuren der jungen Männer wirken heute oftmals genau so lächerlich, wie es die damalige Elterngeneration behauptet hat. Und trugen denn wirklich alle Männer Brillen in Kassen-Optik, selbst der Vorstandsvorsitzende Beckurts? Ferner berührt uns komisch, dass unverheiratete Frauen, waren sie nun zwanzig oder sechzig Jahre alt, mit „Fräulein“ angeredet wurden: „Es promovierten: Fräulein Dipl.-Chem. A. R.,  IPC, an der Universität Bonn zum Dr. rer. nat.“ Und so gab es auch das „Fräulein vom Amt“:  Ferngespräche wurden noch von Mitarbeiterinnen eingestöpselt  –  „Switchboard Susan, won’t you give me a line?“ (Nick Lowe). Wir gewinnen beim Durchblättern oft den Eindruck einer „hochgradigen Verflossenheit“ (Thomas Mann) und einer Aura vergangenen Zeitgeistes.

Aber wir wollen nicht ungerecht sein. Die in „intern“ abgedruckten Bilder des Hausphotographen Karl Peters etwa waren oftmals Kunstwerke, und wurden als solche geehrt, national und auch international.[1] Der Verfasser dieser Zeilen ist nicht der Erste, der vorschlägt, einmal Aufnahmen der Jülicher Fotografen auszustellen.

Rubriken der „intern“

Regelmäßige „intern“-Rubriken waren u. a. „Hier spricht der Betriebsrat“, Jubiläen, Fotowettbewerbe der Mitarbeiter, Kulturberichte („Neuer Dirigent beim Gesangverein der KFA Jülich“) sowie „Unser Film-Club“. Hier wurden auch ausgesprochen avantgardistische Filme vorgestellt, so François Truffauts „Der Wolfsjunge“.

Zu den Aufgaben der Mitarbeiterzeitschrift zählte es auch, irritierende Pressemeldungen richtigzustellen. So hatte die Bild-Zeitung Ende 1978 berichtet: „In einem Teich auf dem Jülicher Kernforschungsgelände schwimmen 100.000 so genannte ‚Atomkugeln‘. Die tennisballgroßen Graphitkugeln stecken in einer Art von Milchkannen.“

Aber in einer Rangfolge der „intern“-Themen würde der Sport mindestens Platz drei erobern. Die „Betriebssportgemeinschaft Kernforschung Jülich 1963“ war in den 1970er Jahren mit über 1.500 Mitgliedern die größte ihrer Art in Nordrhein-Westfalen. 1973 war das Zentrum auch Schauplatz der „Atomiade“, einem Turnier der Betriebssportler aus den Kernforschungseinrichtungen Europas, ursprünglicher Name: „Reaktorturnier“.

Im Geleitwort der Geschäftsführung in der Erstausgabe wurde ausgeführt, dass „KFA intern“ die Mitarbeiter über wichtige Ereignisse und Projekte in der Anlage informiert. An den Jahresenden veröffentlichte der Vorstand jeweils ein Resümee und blickte auf die kommende Entwicklung.

„intern“ befasste sich mit den wissenschaftlichen Projekten der Einrichtung und stellte sie auch dem Laien verständlich vor. Wer kennt noch das Großprojekt „ADAM“ und “EVA“? Neuberufene Institutsleiter und deren Arbeitsgebiete wurden ausführlich präsentiert. Berichtet wurde über die vielen Nobelpreisträger, die im Großen Hörsaal vortrugen. Verblüfft stellen wir fest, dass der Große Hörsaal heute noch genau so aussieht wie vor vierzig Jahren. Auch die hohe Politik kam ins Spiel. Minister und Staatssekretäre wurden interviewt. Gleich das erste Heft, Juni 1970, brachte als Aufmacher ein Exklusiv-Interview  mit Hans Leussink, dem Bundesminister für Bildung und Wissenschaft im ersten Kabinett Willy Brandt.

Objektiv, sachlich und fundiert

Es ist von besonderem Interesse, wie „intern“ auf die nukleare Kontroverse reagierte, die 1974 mit den Auseinandersetzungen um das nahe Wyhl geplante Kernkraftwerk begann. Zwar erschienen zunächst auch Mätzchen wie der Artikel „Kernenergie ist sicherer als Sex“, wobei man sich auf die natürliche Umweltstrahlung und die Strahlung des Partners (!) bezog, sofern man sich mit diesem acht Stunden (!) in demselben Raum aufhielt.

Aber in der Folgezeit wurde ein anderer Weg beschritten. Objektiv, sachlich und fundiert informierte „intern“ die Leser mit Analysen der Kernenergie und ihren Gefahren, stellte die Reaktortypen und deren Risiken vor und brachte mögliche Alternativen ins Spiel. Man dachte an einen Energiemix aus Kern- und Solarenergie: „Die Solarenergie hat im Vergleich zur Kernenergie den Vorteil, dass sie im wesentlichen keine Umweltbelastung bringt und auch für Störmaßnahmen Dritter weniger Ansatzpunkte liefert.“ Als entscheidender Nachteil wurde die geringere Energiedichte genannt. Dies wurde 1976 geschrieben!

„KFA intern“ ist für alle historisch Interessierte eine Fundgrube. Die einzelnen Ausgaben können nach Absprache beim Verfasser dieser Zeilen eingesehen werden.

 

Ausgabe der Intern zum Besuch des Bundeska nzlers Helmut Kohl beim Jahresempfang 1994.

Intern zum Besuch des Bundeskanzlers Helmut Kohl 1994.

 

[1]Siehe: Karl Peters, Von Forschern und anderen Menschen. Eine fotografische Retrospektive nach 28 Jahren im Forschungszentrum Jülich, Jülich 1995 (ZB-Bestand: AFG 38)

 

 

Bernd Rusinek

About Bernd Rusinek

Prof. Dr. Bernd-A. Rusinek leitet seit Anfang 2007 das Archiv des Forschungszentrums, zugleich lehrt er Neuere und Neueste Geschichte in Düsseldorf.

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