Wie stehen die Deutschen zu Wissenschaft und Forschung? Wie stark ist ihr Interesse an wissenschaftlichen Themen, wie ausgeprägt ist ihr Vertrauen in die Arbeit von Forscherinnen und Forschern? Die Antworten auf diese Fragen findet sich im „Wissenschaftsbarometer„, einer jährlichen Umfrage der Initiative „Wissenschaft im Dialog“. 

Hier im Blog „Zweikommazwei“ beziehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungszentrums Position zu den Befunden und Thesen des aktuellen Wissenschaftsbarometers 2018. Im zweiten Teil der Serie (abonnierbar als RSS-Feed), nimmt Prof. Dieter Willbold, Strukturbiologe und Leiter des „Institute of Complex Systems – Strukturbiochemie (ICS-6)“, Stellung. 

 

Sind wissenschaftliche Ergebnisse käuflich?

 „Fast 70 % der Befragten sind der Meinung, dass die Wirtschaft einen zu großen Einfluss auf wissenschaftliche Ergebnisse hat. Zugespitzt gefragt: Herr Willbold, sind Ihre Ergebnisse etwa käuflich?“ 

Prof. Dieter Willbold Quelle: FZJ/Sascha Kreklau

Die „Wirtschaft“ hat sicher keinen Einfluss auf Naturgesetze und auf wissenschaftliche Ergebnisse, die auf Ihnen beruhen. Wenn Sir Isaac Newton von „der Wirtschaft“ beauftragt worden wäre, ein Gesetz für die Anziehung von Massen zu entwickeln, wäre er entweder zum gleichen Ergebnis gekommen, wie er es vor Jahrhunderten formuliert hatte. Oder wir hätten – zumindest in dieser Beziehung – niemals wieder von ihm gehört, weil andere Wissenschaftler seine „gekauften“ Ergebnisse umgehend falsifiziert, also widerlegt, hätten. So dauerte es aber mehr als 200 Jahre, bis (bisher) letzte Feinheiten durch Albert Einstein und der von ihm entwickelten allgemeinen Relativitätstheorie in die Gesetze der Massenanziehung eingebracht wurden und diese wieder und wieder bestätigten. 

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Da er selbst Sozialwissenschaftler ist, hat ein Kommentar zum Beitrag „Arbeiten Forscher für sich oder für die Gesellschaft?“ den Autoren Prof. Hans Peter Peters zu einer längeren Antwort über den womöglichen Unterschied der Kommunikation von Naturwissenschaftlern und Geistes-/Sozialwissenschaftlern motiviert. Den ausführlichen Kommentar veröffentlichen wir hier als eigenen Beitrag.

Von Hans Peter Peters

Prof. Hans Peter Peters Quelle: FZJ

Natürlich variieren Talent und Bemühen um verständliche Kommunikation zwischen Wissenschaftlern. Ich kenne Kolleginnen und Kollegen, die ihre Erkenntnisse glasklar und verständlich nicht nur für ein Fachpublikum darstellen können; bei anderen teile ich den im Kommentar geäußerten Eindruck, dass ihre Darstellungen nicht nur kompliziert sind, sondern unnötig kompliziert. Es ist eine interessante Frage, ob es dabei systematische Unterschiede zwischen Naturwissenschaftlern auf der einen und Sozial- und Geisteswissenschaftlern auf der anderen Seite gibt. Der Begriff „Soziologenchinesisch“ ist sprichwörtlich und es lohnt sich zu fragen, was hinter dem verbreiteten Eindruck steht, dass sich Sozial- und Geisteswissenschaftler besonders schwer damit tun, öffentlich verständlich zu kommunizieren.

Meine Anmerkungen fasse ich in drei mir plausibel erscheinende Thesen zusammen, die ich nur ansatzweise empirisch belegen kann und die insofern spekulativ sind. Die beiden ersten Thesen unterstellen die Korrektheit der Behauptung und verweisen auf mögliche Gründe für den Unterschied zwischen Naturwissenschaftlern und Geistes-/Sozialwissenschaftlern; die dritte These besagt, dass die Behauptung womöglich auf einer Fehlwahrnehmung beruht.

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Wie stehen die Deutschen zu Wissenschaft und Forschung? Wie stark ist ihr Interesse an wissenschaftlichen Themen, wie ausgeprägt ist ihr Vertrauen in die Arbeit von Forscherinnen und Forschern? Die Antworten auf diese Fragen findet sich im sog. „Wissenschaftsbarometer“, einer jährlichen Umfrage der Initiative „Wissenschaft im Dialog“. Ende September ist das aktuelle Wissenschaftsbarometer 2018 erschienen, für das wieder mehr als 1000 ausgewählte Personen befragt wurden. 

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Gastbeitrag von Prof. Dirk Pleiter, Arbeitsgruppenleiter am Jülich Supercomputing Centre (JSC) und Professor für Theoretische Physik an der Universität Regensburg.

Prof. Dirk Pleiter Bild: FZJ

Für jemand wie mich, der an der Entwicklung von Spezialprozessoren für Anwendungen im High-Performance Computing (HPC) beteiligt war, ist jede neue Architektur von Prozessoren für Supercomputer faszinierend. Stand heute ist der Markt für Server-Prozessoren, die auch für Supercomputer geeignet sind, von einer einzigen Architektur beherrscht, nämlich der x86-Architektur, die primär der Anbieter Intel, aber auch AMD vertreiben. Damit Supercomputer in Zukunft noch leistungsfähiger werden, wäre ein Wettbewerb um bessere Lösungen (und günstigere Preise) förderlich. Tatsächlich ist die Situation dabei sich zu ändern. Der neue Pre-Exascale Rechner Summit, der in den USA installiert wurde und aktuell laut der Top500-Liste als leistungsfähigster Rechner der Welt gilt, setzt auf eine Alternative. Er arbeitet mit Prozessoren basierend auf der POWER-Architektur von IBM. In Europa, wo die Europäische Kommission die Entwicklung eines europäischen Server-Prozessors fördern will, verfolgt man aktuell mit der ARM-Architektur noch einen anderen Ansatz.

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Claudia Frick leitet den Fachbereich Literaturerwerbung (Schwerpunkt Wissenschaftliches Publizieren) in der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich. Im Mai nahm sie als Mentorin bei Jugend hackt in Köln teil. In den Jülich Blogs erzählt sie von dem Hackathon und den Prototypen der Jugendlichen.

von Claudia Frick

Am zweiten Wochenende im Mai fand das vierte Mal Jugend hackt Köln statt. Jugend hackt, das ist ein Hackathon für programmierbegeisterte Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren, die ein ganzes Wochenende gemeinsam Prototypen, Webseiten und Konzepte für ihre Vision einer besseren Gesellschaft entwickeln und umsetzen. Dabei werden sie nicht nur organisatorisch und pädagogisch unterstützt, sondern es stehen ihnen auch ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren bei technischen Fragen und Problemen aller Art zur Seite. Eine von letzteren bin ich und das bereits zum vierten und ganz sicher nicht zum letzten Mal.

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Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron erhält am 10. Mai in Aachen den Karlspreis 2018. Während seines Aufenthalts in der schönen Kaiserstadt – oder Aix-la-Chapelle – wird er auch die RWTH Aachen besuchen. Prof. Olivier Guillon, Direktor am Institut für Klimaforschung sowie RWTH-Professor für Werkstoffsynthese der Energietechnik, ist seit März in der Arbeitsgruppe der RWTH zur Vorbereitung des hohen Besuchs aktiv.
Unser Kollege Hanno Schiffer hat ihn dazu befragt.

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Das Forschungszentrum Jülich trauert um Professor Peter Grünberg. Der Physik-Nobelpreisträger und Wissenschaftler am Forschungszentrum starb in der vergangenen Woche im Alter von 78 Jahren in Jülich.

Portraitfoto von Peter Grünberg.

Peter Grünberg (1939 – 2018)
Copyright: Forschungszentrum Jülich

„Die Nachricht vom Tod von Peter Grünberg macht uns alle im Forschungszentrum Jülich sehr traurig. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie. Mit ihm verlieren wir einen herausragenden Wissenschaftler, der auf dem Gebiet der Festkörperforschung weltweit Maßstäbe gesetzt hat. Ohne Übertreibung kann man sagen: Peter Grünberg und seine Entdeckung des Riesenmagnetowiderstands haben unser aller Leben entscheidend verändert. Ohne ihn wären die modernen Computer und Smartphones so nicht denkbar. Peter Grünberg war nicht nur ein exzellenter Forscher, er war vor allem auch ein allseits geschätzter und beliebter Kollege. Mehr als 45 Jahre hat er dem Forschungszentrum Jülich die Treue gehalten. Peter Grünberg wird uns fehlen. Das Forschungszentrum wird sein Andenken bewahren, nicht zuletzt durch das nach ihm benannte Peter Grünberg Institut“, würdigte Professor Wolfgang Marquardt, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, den Verstorbenen.

An dieser Stelle möchten wir Ihnen die Möglichkeit geben, Ihre Erinnerungen an Peter Grünberg zu teilen und zu kondolieren.

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von Jens Jäger

Wissenschaft braucht Freiheit. Diese mühsam errungene Freiheit droht jedoch an vielen Orten unter die Räder zu kommen: Zu oft werden Forscherinnen und Forscher bei ihrer Arbeit behindert, sie werden bedroht, weil sie Wahrheiten aussprechen, die den „alternativen Fakten“ der Regierenden widersprechen, ihre Institute werden geschlossen, manchen wird sogar körperliches Leid angetan. Die Ergebnisse ihrer Wissenschaft – oft mühsam recherchiert, tadellos dokumentiert und zweifelsfrei nachprüfbar – werden zerstört, ignoriert oder diskreditiert.

Auch bei uns gibt es Grund zur Sorge: Politische Akteure leugnen den Klimawandel, Empfehlungen der Geschlechterforschung werden als „Wahn“ abgetan, die Diskussionen über gentechnisch veränderte Lebensmittel und Schadstoffe aus Dieselmotoren werden mit hysterischem Kreischen statt analytischem Denken geführt.

Natürlich müssen nicht immer alle einer Meinung sein: Gesellschaftliche und politische Entscheidungen basieren auf dem Abwägen von Alternativen. Wenn eine Seite des Streits den Argumenten der anderen allerdings von vornherein jegliche Legitimität abspricht, kann keine gute Diskussion entstehen. Die Ergebnisse sind entsprechend.

Wir brauchen eine Diskussionskultur, in der Argumente auf nachprüfbaren Fakten basieren. Die Wissenschaft kann in vielen Fällen diese Fakten liefern – wenn sie nicht durch restriktive Regierungen daran gehindert wird oder schieres Misstrauen seitens der Bevölkerung diese Wirkung blockiert.

Das Thema ist leider in diesem Jahr noch genauso aktuell wie 2017, als zum ersten Mal weltweit hunderttausende Menschen auf die Straßen gingen, um für die Freiheit der Wissenschaft und ihre Bedeutung für gesellschaftliche Debatten zu demonstrieren. Anlass für den March for Science 2017 war die Wahl des neuen amerikanischen Präsidenten, der auf rabiate Weise die Grundlagen für eine freie Wissenschaft bedrohte. Der weltweite March for Science ist jedoch keine Demonstration gegen jemanden, sondern für etwas: für eine Gesellschaft, in der Entscheidungen auf der Basis von fundierten Argumenten getroffen werden.

March for Sciencxe April 14, 2018

Quelle: March for Science (https://marchforscience.de/presse-info/)

Im Jahr 2018 gehen wir dafür in Köln auf die Straße: Das Organisationsteam, zu dem ich gehöre, wird gemeinsam mit allen Teilnehmenden ab 11 Uhr von der Domplatte durch die Innenstadt zum Rudolfplatz marschieren. Ab 12 Uhr werden dort einige Menschen über die Bedeutung der Freiheit der Wissenschaft aus ihrer Sicht sprechen. Julitta Münch moderiert, wenn neben der nordrhein-westfälischen Ministerin für Kultur und Wissenschaft Studierende der Unis Köln und Düsseldorf und die Leiterin des Zentrums für LehrerInnen-Bildung die Freiheit der Lehre beleuchten. Die Prorektorin der Universität zu Köln und der Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung sprechen über die Bedeutung der Wissenschaft in Köln und im internationalen Kontext. Der ESA-Astronaut Reinhold Ewald, der ehemalige Jülicher Physiker Ranga Yogeshwar und der Kriminalbiologe Mark Benecke stellen ihre Sicht auf die Folgen des Missbrauchs der Wissenschaft dar. Der Philosoph Thomas Grundmann und der Science-Slammer und -Blogger Reinhard Remfort werden uns Hinweise darauf geben, was jeder einzelne von uns tun kann, um die Freiheit der Wissenschaft und ihre Bedeutung in der Gesellschaft zu vergrößern.

Ich engagiere mich beim March for Science, weil ich nicht hinnehme, dass wissenschaftliche Erkenntnisse an Bedeutung verlieren, bloß weil sie schwerer verdaulich sind als die Parolen der Vereinfacher und der Ewiggestrigen. Ich hoffe, dass der March for Science in Köln, in Deutschland und im Rest der Welt die Begeisterung und die Wertschätzung für die Wissenschaft und ihre Wirkung erhält und vergrößert – und uns allen zeigt, was wir dafür tun können. Denn Freiheit entsteht nicht von selbst.

Science March 2017: Beitrag von Prof. Marquardt

 English version

Ein Interview mit Dr. Sarah Genon über einen neuen Ansatz zur Untersuchung der Funktionen von Hirnregionen

Sehen heißt nicht verstehen. Mit dieser knappen Formel kann man vielleicht am besten das Problem umschreiben, das viele Forscher in den Neurowissenschaften umtreibt. Als in den 1990er Jahren bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanztomographie aufkamen, erschien es zunächst nur noch eine Frage der Zeit, bis man versteht, wie wir Sprache verarbeiten, Sätze formen und Erinnerungen im Kurz- und Langzeitgedächtnis abspeichern. Heute fällt die Einschätzung vieler Wissenschaftler deutlich nüchterner aus. Kaum ein Konzept aus der Psychologie, Philosophie oder Soziologie ließ sich bislang eindeutig biologischen Prozessen und Strukturen im Gehirn zuordnen.

Sarah Genon Quelle: privat

Die Neurowissenschaftlerin Dr. Sarah Genon, die am Forschungszentrum Jülich und Uniklinikum Düsseldorf forscht, spricht gar von einem „konzeptuellen Chaos“. Im europäischen Human Brain Project leitet sie das Teilprojekt „Multimodaler Vergleich von Gehirnkarten“. Gemeinsam mit Prof. Simon Eickhoff vom Forschungszentrum Jülich und Universitätsklinikum Düsseldorf schlägt sie einen neuen Ansatz vor, der es ermöglichen könnte, große Datensätze zu erschließen und die Forschung auf lange Sicht ein gutes Stück voranzubringen.

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von Dirk Tunger

Immer häufiger werden Forschungsergebnisse nicht mehr nur innerhalb der Fachcommunity in wissenschaftlichen Zeitschriften diskutiert, sondern auch darüber hinaus im Internet und auf Social Media Plattformen. In diesem Zusammenhang habe ich mir die Frage gestellt, ob die Fokussierung auf die klassischen bibliometrischen Indikatoren noch den wahren Impact der Forschungsarbeiten widerspiegelt oder ob es Alternativen gibt.

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